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Heute war ich eben da …

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Ich stehe an der Kasse. Hinter mir eine lange Schlange.
Man sieht der Kassiererin an, dass sie müde ist von einem langen, anstrengenden Tag. Es ist 19:45 Uhr und in 15 Minuten schließt der Laden. Sie weiß vermutlich jetzt schon, dass sie heute nicht pünktlich aus dem Laden kommen wird.
Der Mann vor mir ist sicher über 80. Er hat sich fein angezogen, um einkaufen zu gehen. Seine Kleidung ist verschlissen, sein Geldbeutel zerfleddert, seine Schuhe abgetragen. Und doch hat er sich chic gemacht für diesen Einkauf.
Da steht er nun und versucht, souverän mit seiner Karte zu bezahlen. Zuvor hatte er sein Kleingeld abgezählt, aber es fehlten zwei Euro und ein paar Cent.
Die Kassiererin gähnt, bevor sie laut sagt: „Abgelehnt. Ihre Karte wurde abgelehnt.“
Auf dem Kassenband liegen ein abgepacktes Brot, ein kleines Stück Butter, ein Apfel, eine kleine Packung Fleischsalat, ein Fertigmenü und eine Flasche Bier.
Alles reduziert.
Der Mann versucht es ein weiteres Mal mit seiner Karte. Seine Hände zittern. Es ist ihm sichtlich peinlich.
Hinter mir hibbelt eine Dame im Kostüm, die inzwischen ziemlich genervt ist. Hinter ihr lärmen ein paar Jugendliche mit ihren Dosen Energydrinks und irgendwelchen Chipstüten.
Ich schaue den alten Mann an und frage mich, was er in seinem Leben wohl alles geleistet und gearbeitet hat.
Vielleicht war er Handwerker, vielleicht hat er sein Leben lang früh aufstehen müssen, um seine Familie zu ernähren. Vielleicht war er auch etwas ganz anderes.
Ist er Witwer? Lebt er allein? Hat er Kinder, die ihn besuchen?
Sein kleiner Einkauf sieht für mich jedenfalls nach einem Abendessen für einen alleinstehenden Menschen aus.
Und ich frage mich, wie es sein kann, dass dieser Mann, der schon so viele Jahre auf dieser Welt ist, nicht einmal die paar Euro hat, um sich sein Abendessen zu kaufen.
Ich trete vor und sage der Kassiererin, dass sie den Einkauf des Mannes bei mir mit auf die Rechnung setzen soll.
Sie schaut mich kurz an, kassiert wortlos weiter und nennt mir den Betrag.
Der Mann steht noch immer vor mir und schaut mich an. Er möchte widersprechen, aber ich sage nur:
„Sie sollten es einpacken, damit Sie nichts vergessen.“ 🙂
Er beginnt, seine Sachen einzupacken.
Die Dame hinter mir wird still.
Ich weiß nicht, ob der Mann morgen wieder vor einer Kasse stehen wird und sein Geld nicht reicht. Ich weiß auch nicht, was ihn zu Hause erwartet.
Aber für mich ist dieser Tag gerade ein kleines bisschen besser geworden.
Die Kassiererin sagt: „Das ist bei dem jedes Mal so.“
Ich zucke die Schultern.
Mag sein. Aber heute war ich eben da.
Für mich waren es knapp zehn Euro. Für ihn war es sein Abendessen und vielleicht auch noch sein Mittagessen für morgen.
Manchmal braucht es gar nicht viel, um einem anderen Menschen den Tag ein bisschen leichter zu machen.
Und meinen hat es auch ein kleines bisschen besser gemacht.