FokusFunken

Das ist der Moment …

Zu Weihnachten 2025 schenkt uns unsere Tochter Karten für ein Konzert der Abschlusstournee der Toten Hosen. Nicht hier irgendwo um die Ecke, sondern in Bayreuth. Inklusive Hotel und zwei Übernachtungen. Für uns drei zusammen.

Sie schenkt uns damit nicht nur das Konzert, sondern sie schenkt uns Zeit, die wir gemeinsam verbringen werden.

Ich kann mich gar nicht so genau erinnern, wann ich zuletzt Musik von der Punkrockband gehört habe, denn irgendwann hat sich ruhigere Musik eingeschlichen. Musik, die eher angepasst ist. Mainstream vielleicht?

Wir gehen jedes Jahr mit den Kindern gemeinsam auf Konzerte und irgendwann ist daraus ganz selbstverständlich geworden, dass wir auch mit jedem Kind einzeln oder mit allen drei gemeinsam Erlebnisse sammeln, die nur uns als Familie betreffen.

Diamantstaub auf die Seele streuen, nennen wir das.

Es geht darum, dass wir uns alle an die Momente erinnern können, die uns als Familie ausmachen. Nicht nur daran, wie der Alltag war. Der natürlich auch. Aber halt eben nicht nur.

Unsere Tochter ist 33. Wir fuhren also einen Tag vor dem Konzert zusammen nach Bayreuth. Schlenderten abends noch durch die Stadt. Besuchten eine kleine Brauerei, aßen und teilten das Abendessen, redeten, erzählten, erlebten.

Wir tauchten ein in die beleuchtete Innenstadt und staunten gemeinsam darüber, dass wir eigentlich nie darüber nachgedacht hatten, dort einmal hinzufahren.

Es war schon beeindruckend, als wir direkt nach Konzertbeginn merkten, wie textsicher wir alle noch waren und wie sehr jedes Lied uns an die Zeit erinnerte, als Punkrock noch eine Musik war, die aus den Kinderzimmern und auch aus unserer Stereoanlage lief.

So gegen Mitte des Konzertes erzählte Campino, dass es ihm ein Anliegen sei, das Lied zu singen, das er für seinen Sohn geschrieben hat, der mittlerweile 22 Jahre alt ist und kaum noch Zeit für seinen Vater habe.

Er stimmte „Das ist der Moment“ an.

Als der Refrain kam, drehte sich unsere Tochter ruckartig um. Die Augen leuchteten, die Haare flogen, sie riss die Arme hoch und flog uns um den Hals.

Und sie sagte mitten in dem ganzen Trubel:

„Ja, das ist es. Das ist so ein Moment. Das weiß ich.“

Und ja. Genau solche Momente sind es.

Diese Momente helfen uns im Alltag, im Stress und dann, wenn wir irgendwann im Auto sitzen und so ein Lied zufällig wieder läuft.

Man kann solche Momente nicht planen. Man kann nicht beschließen: Heute passiert etwas, woran wir uns für immer erinnern werden.

Aber wir können Gelegenheiten schaffen, in denen solche Momente entstehen dürfen.

Indem wir Zeit miteinander verbringen. Irgendwo hinfahren. Zusammensitzen. Reden. Zuhören. Gemeinsam etwas erleben.

Und manchmal passiert dann mitten zwischen tausenden Menschen etwas, von dem man schon im selben Augenblick weiß:

Den nehme ich mit.

Das ist ein Diamantstaubmoment.