FokusFunken

Vielleicht ist es längst da

Meine Katze ist unleidig.
Sie streift durch die Wohnung und sucht etwas, von dem weder sie noch ich wissen, was es eigentlich ist.
Ich gehe an die Katzenschublade und hole ihr ein neues Spielzeug heraus.
Die nächsten zehn Minuten schaue ich ihr zu, wie sie begeistert damit spielt, sich daran verausgabt und schließlich samt Spielzeug auf ihren Kratzbaum springt.
Kurz darauf schläft sie ein.
Wow, denke ich. Wie wenig sie gerade gebraucht hat, um glücklich, beschäftigt und zufrieden zu sein.
Und dann fällt mir auf, dass ich in diesen letzten zehn Minuten auch ziemlich glücklich war.
Ich habe nichts Besonderes gemacht. Ich habe nichts erledigt, nichts erreicht und auch nichts verändert.
Ich habe einfach nur meiner Katze beim Spielen zugesehen.
Was hat das mit Coaching zu tun?
Eine ganze Menge, glaube ich.
Wir sind ziemlich gut darin, nach dem zu schauen, was noch fehlt.
Wenn dieses eine Problem endlich gelöst wäre. Wenn wir mehr Zeit hätten. Wenn es im Job anders wäre. Wenn wir endlich wüssten, was wir eigentlich wollen. Wenn sich nur irgendetwas verändern würde.
Und wahrscheinlich ist an all diesen Gedanken auch nichts falsch.
Nur passiert währenddessen trotzdem unser Leben.
Da ist vielleicht die Tasse Kaffee am Morgen, bei der gerade mal niemand etwas von uns will. Ein Gespräch, bei dem wir plötzlich lachen. Ein Spaziergang, bei dem für einen kurzen Moment Ruhe im Kopf ist.
Oder eben eine völlig erschöpfte Katze, die mit ihrem neuen Spielzeug auf dem Kratzbaum eingeschlafen ist.
Das Interessante ist: Ich hätte diese zehn Minuten vermutlich gar nicht als Glück bezeichnet.
Sie waren einfach da.
Vielleicht ist genau das manchmal der Punkt.
Im Coaching geht es nicht immer darum, etwas Neues zu finden, etwas zu reparieren oder einen völlig anderen Weg einzuschlagen.
Manchmal lohnt sich zuerst die Frage:
Was ist eigentlich schon da?
Was funktioniert längst, ohne dass ich es groß bemerke?
Und was davon dürfte vielleicht ein bisschen mehr Platz bekommen?